Ecole Givaudan ist die älteste Parfümschule der Welt

Berühmte Parfümeure haben sie absolviert, doch das Auswahlverfahren ist hart. Wer es schafft, landet in einer zauberhaften Welt.

Die Nase zu trainieren, den Geruch der für die Parfümindustrie wichtigen Rohstoffe und die jeweils passende Beschreibung auswendig zu lernen, das gehört zu ihren wichtigsten Aufgaben. Die jungen Leute werden sie später im Blindtest erkennen müssen. Denn sie studieren an der Ecole Givaudan, der ältesten Parfümschule der Welt.

Zahlreiche berühmte Parfümeure wie Thierry Wasser (Guerlain) und Jean-Claude Ellena (bis vor Kurzem Hermès) wurden in dem hauseigenen Institut des gleichnamigen Herstellers von Düften und Aromen ausgebildet. Schätzungsweise ein Drittel aller Parfüms weltweit trägt die Handschrift der Absolventen. Als eine Art Hommage an sie zieren unzählige Parfümflakons die Regale im Flur der Schule.

„Ein Kriterium ist die Leidenschaft für Düfte. Außerdem müssen die Schüler fleißig und hartnäckig sein“, beschreibt Schuldirektor Alain Alchenberger die Zugangsvoraussetzungen. Wer Parfümeur werden wolle, müsse jedoch nicht unbedingt Chemiker sein – auch wenn ein Großteil seiner Schüler vorher so wie er ein Chemiestudium absolviert hat. „Natürlich haben studierte Kandidaten einen Vorteil, aber letztlich kommt es auf die Reife eines Kandidaten an“, meint Alchenberger.  …

„Im ersten Jahr müssen unsere Schüler 500 bis 600 der 1300 für unsere Industrie wichtigen Ingredienzien lernen und blind nur am Geruch erkennen können“, erklärt der Direktor der Parfümschule. „Ein Parfümeur muss die Grundlagen beherrschen.“ Deshalb steht das Training des Geruchssinns zu Beginn der Ausbildung jeden Tag auf dem Stundenplan der Schüler, die wie auch alle Angestellten von Givaudan in Argenteuil jeden Morgen spätestens um 9.30 Uhr antreten müssen.  …

Es ist ein hart umkämpftes Geschäft. Die Dufthersteller müssen an einer Ausschreibung teilnehmen und anhand einer knappen Beschreibung darüber, welche Stimmung oder Assoziation der Duft hervorrufen soll, ein Parfüm entwickeln. Das dauert Monate. Erst am Ende winkt dem Sieger jedoch ein lukrativer Vertrag. Entsprechend hoch abgesichert ist das Labor von Givaudan in der Avenue Kléber in der Nähe des Triumphbogens in Paris, wo die Formeln für neue Parfüms unter Codenamen entwickelt und gemischt werden. …

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Auszüge aus der Zeitung „Die Welt„:   http://www.welt.de/wirtschaft/article156335521/An-dieser-Schule-lernen-die-besten-Parfuemeure-der-Welt.html

Givaudan Ecole bei Paris: https://www.givaudan.com/fragrances/perfumery-school  , http://www.ecole-parfum.com/offre/assistant-parfumeur-hf-givaudan-france-2/

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Parfumeur Geza Schön

Interview mit Geza Schön

Geza Schön ist 42 Jahre alt, sieht noch recht jugendlich aus. Er ist der einzige ausgebildete Parfümeur und Duftdesigner der Hauptstadt und einer der wenigen weltweit, die freiberuflich arbeiten. In Deutschland gibt es nur rund 40 Parfümeure, weltweit sind es 500. Schon als Kind sammelte der gebürtige Kasseler Duftproben, mit 13 Jahren konnte er hundert voneinander unterscheiden.
Innovation ist alles, was anders ist. Das, was wir kennen, ist immer sehr ähnlich und riecht auch sehr ähnlich. Viele der Neu-Lancierungen, gerade der größeren Brands, sind Modifikationen, Twists existierender Düfte. Das ist nicht innovativ.

Ich kann sofort zehn Rezepturen schreiben, die riechen ganz anders als alles, was du jemals vorher gerochen hast, aber das riecht dann nicht gut. Wir unterliegen einer Art erlernter Harmonie. Die olfaktorische Sozialisation, wo wir aufgewachsen sind, die Küche, die Kräuter, die Pflanzen, die Umgebung, das Klima. All das erschafft unterschiedliche Gerüche und deswegen kann man es nicht generalisieren.

Unser Leben ist durchdrungen von Gerüchen. So wie jede Wohnung und jeder Mensch seinen eigenen Geruch hat, haben auch Städte und Stadtteile sehr unterschiedliche Geruchslandkarten. Der Parfümeur Geza Schön hat bereits Düfte entwickelt, die sich an Schauspieler Klaus Kinski orientieren sollen oder mit Karl Lagerfeld zusammen ein Parfüm mit dem Geruch von Papier auf den Markt gebracht. Der in Kassel geborene Duftkünstler wohnt mittlerweile seit acht Jahren in Berlin und hat sich ausgiebig mit den Gerüchen dieser Stadt beschäftigt.

Die Macher des englischen Lifestyle-Magazins „Wallpaper“ hatten die Idee, ein Parfüm herstellen zu lassen, das exakt den Geruch von Büchern einfängt. Sie beauftragten den Parfümeur Geza Schön der diesen Duft von Büchern nachbildete.

aus der Berliner Zeitung :  http://www.berliner-zeitung.de/archiv/erfolgreich-in-der-nische–geza-schoen–der-einzige-parfuemeur-berlins–ist-der-rebell-seiner-branche-kunst-im-flakon,10810590,10774564.html

World’s Luxury Guide :  http://luxus.welt.de/beauty/parfum/interview-mit-dem-parfumeur-geza-schoen

Berliner Tagesspiegel : http://www.tagesspiegel.de/berlin/wie-riecht-neukoelln-der-nase-nach-mit-parfuemeur-geza-schoen/8884154.html

Frankfurter Allgemeine Zeitung :  http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/der-geruch-des-buches-tanz-mir-ein-haus-11568438.html

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Parfümeur Blaise Mautin

Blaise Mautin ist Parfümeur in Paris und stattet seit 2001 Park-Hyatt-Hotels rund um die Welt mit einem individuell für sie kreierten Parfum aus. Es kommt in Pflegeprodukten, aber auch als Raumduft vor. Mautin erklärt, warum viele Hotels nun eigene Düfte wollen und wie er vorgeht, wenn er ein neues Hotel gewissermaßen beduftet.

Egal wo man sich auf der Welt befindet, schauen viele Hotels sehr ähnlich aus. Die guten Hotels wollen sich heutzutage abheben, personalisieren, und so geben sie dem Gast auch eine geruchliche Identifikationsmöglichkeit.   …

Im Park Hyatt Zürich, meinem jüngsten Projekt, habe ich versucht, ein mit der dynamischen Glasarchitektur korrespondierendes, frisches Parfum zu entwerfen. Es enthält unter anderem eine Essenz der Ylang-Ylang-Frucht, Bergamotte, Orange, Zitrone, also alles sehr frisch. In Dubai hingegen habe ich viel mehr auf Amber-Duftakkorde gesetzt, ein viel reicherer, komplexerer Duft. Im Hotel in Istanbul wird es ein Duft auf der Basis von Rosen. Jenes in Washington riecht nach Veilchen. Es bedarf aber in jedem einzelnen Fall einer sehr intensiven Kommunikation mit der Hotelleitung, um einen wirklich passenden Hausduft herzustellen.   …

Man kann natürlich nie einen Duft schaffen, den alle mögen. Aber der Großteil schätzt es, ein qualitativ hochwertiges Parfum zu riechen, das ein Teil von ihrem Hotel ist. Das ist wie eine positive Überraschung für den Gast, er bekommt etwas, das für ihn kreiert wurde, das in Seifen, Shampoo, aber eben auch als Raumduft vorkommt.   …

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Ausführlicher Artikel von Hans Gasser in der Süddeutschen Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/reise/interview-mit-einem-parfuemeur-riecht-zuerich-anders-als-paris-1.208823

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Interview mit dem Parfümeur Roja Dove

Das Atelier von Roja Dove, im Stadtteil Mayfair, ist verziert mit vergoldeten Spiegeln, Kristallflaschen von Lalique und Baccarat und lila Samtvorhängen. 

Die Gönner von Roja Dove sagen, dass ein Besuch in seiner Werkstatt, einer Sitzung auf der PsychiaterCouch gleicht.

“Riechen Sie mit der Nase, nicht mit Ihrem Gehirn,” sagt Mr. Dove.

Sein winziges Atelier befindet sich im Bereich Shepherd Market von Mayfair. Mr. Dove ist 57 und entwickelt in seinem Geschäft persönliche olfaktorische Momente. Es gelingt ihm, die individuellen Düfte, die halb vergessenen Erinnerungen und Wünsche der Kunden, zu wecken.
Sein Name erscheint immer auf den Listen mit den weltweit führenden “Nasen”, die branchenweit liebevolle Bezeichnung für einen qualifizierten Parfümeur. Er sagt, er sei in der Lage, 800 verschiedene Düfte aus einem einzigen Spritzer zu identifizieren.
Als Teenager in Chichester, England, in den frühen 1970er Jahren, entdeckte Mr. Dove Guerlain, eine der ältesten und renommiertesten Dufthäuser Frankreichs.
Während Freunde ihr Taschengeld ausgaben, sparte er, um Jicky, eine Komposition aus Zitrus, Lavendel und Vanille welche  erstmals 1889 von Aimé Guerlain hergestellt wurde, zu kaufen.
Die romantischen Vorstellungen von dem Duft entfachte etwas in Mr Dove. Nach sechs Monaten Studium der Medizin an der Cambridge University und einer kurzen Zeit als Mode für Model in London, begann er eine Lehre bei Guerlain im Jahre 1981.
Vier Jahre später hatte er das Erstrebte erreicht, den Titel “Professeur de Parfum”. Mr Dove arbeitete für den letzten MeisterParfümeur, Jean-Paul Guerlain, der Familie. Er war über Kontinente hinweg tätig und trainierte Mitarbeiter, wie sie die Düfte den Kundenwünschen anpassen können. Bis zum Jahr 2001 war er in dieser Position. Danach trat er zurück.
Vor zwei Jahren führte er auch Roja Parfums, seine eigene DuftLinie für Damen und Herren, in den gehobenen Einzelhandel ein. Darunter befand sich Bergdorf Goodman in New York und die ParfumBoutique Jovoy in Paris. 
Die Düfte haben provozierende Titel wie Skandal, Gefahr, Fetisch und Anspielungen und kosten ungefähr $360 für eine Flasche 100 Milliliter.
Aber Mr Dove spezielle Talente sind für Kunden mit speziellen Guthaben bei Kreditinstituten vorbehalten. Für 25.000 Pfund oder $40.350 erstellt er einen maßgeschneiderten Duft. Dieser Prozess dauert ein oder zwei Jahre und endet mit einer 500 Milliliter Duftflüssigkeit, die wie keine andere ist.

Er sagt, er hat einen Durchschnitt von sechs bis 10 solcher Kunden jedes Jahr. 

“Die meisten meiner Formeln sind recht kurz, normalerweise zwischen 20 und 50 Zutaten”, sagt er. “Es ist wie Malerei Wenn Sie zu viele Farben verwenden, ist alles was Sie bekommen ist ein schmutziges Grau.”

“Das Problem ist, dass Menschen nicht mehr über Parfum sprechen. Sie sprechen über Marken; ob sie Chanel oder Dolce tragen,”sagte er. “Aber ich interessiere mich für reden, welche Aldehyd mit Ylang-ylang macht.”

Der Mensch ist gut bei der Klassifizierung von Gerüchen, kann sie aber schlecht identifiziert, erklärt Herr Dove.
Er sagt, dass die wichtigsten Empfindungen für Gerüche im Kindesalter erlernt werden. Für die meisten Menschen sind süße Düfte wünschenswert. Auf Bitterkeit reagieren sie oft mit Abneigung. Dies ist angeboren. Die meisten Düfte erreichen ihren persönlichen Wert durch Erfahrungen, die an individuelle Reaktionen gekoppelt wurden.
“Geruch wirkt sofort und eindrucksvoll, so dass es grundsätzlich Auswirkungen auf Ihr Wesen hat”, sagt Mr. Dove. “Meine Kunden haben eine positive Assoziation mit allen Elementen, die ich in ihrem Duft verwende. Der Duft wirkt so als ultimative Muntermacher.”
Subjektive Faktoren der Kunden beeinflussen auch die endgültige Mischung. “Ich stelle ihnen viele Fragen:
Wie kleiden sie sich? Wie fühlen sie sich? Wie interagieren sie mit anderen Menschen?” sagt Herr Dove.
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